Sie sind hier: Startseite . Karmelit werden .  Leben im Karmel

Leben im Karmel

Wie geht das heute?

Ordensleben hat von seiner Aktualität bis heute nichts verloren, es scheint mir heute sogar aktueller zu sein denn je, denn der Mensch ist von Natur zur Gemeinschaft berufen, und leben im Orden bedeutet Gemeinschaft.

Von Natur aus brauchen die Menschen andere Menschen, um sich als Menschen zu entfalten und mit ihnen in Gemeinschaft zu leben. Die kleinste Form menschlicher Gemeinschaft, das Ehepaar, ist für neues Leben verantwortlich, für eine wachsende Familie. Aber Familien haben Freunde und gehören zu einer größeren Gemeinschaft. Wer gute Freunde hat, kann auch in schwierigen Zeiten bestehen. Ordensleben bedeutet gemeinsam und engagiert das Leben als Christen zu gestalten.

Ein Ordensmann oder eine Ordensfrau hat das gleiche Lebensziel und die gleiche Lebensaufgabe wie jeder getaufte Christ und jede getaufte Christin: bewusst in der Nachfolge Christi zu leben, Jesus Christus immer besser kennen zu lernen. Darum geht es auch im Ordensleben. Im Orden als Karmelit oder Karmelitin zu leben, bedeutet nicht, eine besondere Lebensweise zu erbringen. Ich gehe nicht in einen Orden, weil ich nicht zur Welt passe oder die Arbeit und die Kollegen mich überfordern.

Ordensleute müssen bodenständige, gesunde Männer und Frauen sein, die sich entschieden haben, diesen Weg in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu gehen.

Der Tagesablauf in einem Karmelitenkloster ist gekennzeichnet durch das innere Beten, das gemeinsame Stundengebet, die Eucharistiefeier und die brüderliche Gemeinschaft. Der Tag in unserem Kloster beginnt um 6.00 Uhr mit dem Morgengebet, dem inneren Beten und der Eucharistiefeier. Danach widmet sich jeder seinen Aufgaben, um 18.30 Uhr beten wir die Vesper (das Abendgebet) und halten nochmals inneres Beten. Der Tag klingt in der Regel mit dem brüderlichen Beisammensein aus.

Ich habe für mich erkannt, dass diese Lebensart im Karmel zu mir passt und mich erfüllen kann. Hier kann ich meine Berufung als Christ leben, dieses Leben mit anderen im Kloster, in der Provinz, im Orden, in der Kirche und in der Welt teilen. Was alle Orden gemeinsam haben, das sind die Ordensgelübde, also ein öffentliches Versprechen, zunächst auf begrenzte Zeit, dann aber für immer im Orden zu leben, in Armut, eheloser Keuschheit und Gehorsam, wozu uns das Evangelium einlädt.

Karmeliten gehören zu den Mendikantenorden, so wie Franziskaner, Kapuziner, Dominikaner, Augustiner, die schon im 13. Jh. in einer Gemeinschaft von gleichberechtigten Brüdern innerhalb der Kirche zu leben versuchten. So ist auch der Karmelitenorden von Beginn an (Anfang des 13. Jh.) demokratisch strukturiert. Der Verantwortliche für den Orden ist der Generalobere, der mit seinen acht Definitoren (Generalräten) für 6 Jahre von den Provinzoberen und Delegierten des ganzen Ordens gewählt wird. Wie die anderen Orden ist auch der Karmel in Provinzen aufgeteilt. Eine Provinz besteht aus mehreren Klöstern, z.B. die Deutsche Provinz aus 5 Klöstern. Für die Leitung der Provinz ist der Provinzial mit seinem Provinzrat (vier Mitbrüder) verantwortlich, für die Klöster die Oberen mit ihren Räten. Sie werden jeweils für drei Jahre gewählt.

Die karmelitanische Spiritualität ist durch unsere Regel und Konstitutionen, aber vor allem durch die Gründer des Teresianischen Karmel, die hl. Teresa von Ávila und den hl. Johannes vom Kreuz (16. Jahrhundert in Spanien), geprägt. Die ersten Karmeliten auf dem Berg Karmel (13. Jh.) lebten als Einsiedler jeder für sich in einer Zelle (Häuschen), haben sich aber täglich zur Feier der Eucharistie und einmal in der Woche zum gemeinsamen Gespräch getroffen. Von daher hat der Karmel eine eremitische Tradition. Teresa von Àvila und Johannes vom Kreuz haben im 16. Jh. diesen Ansatz übernommen, den Schwerpunkt jedoch auf die Freundschaft mit Gott in Jesus Christus und von daher mit den Menschen, die uns anvertraut sind oder uns in der Seelsorge begegnen, gelegt.

Zu unseren Aufgaben gehören vor allem die Weitergabe unserer Spiritualität durch Exerzitien (in Birkenwerder bei Berlin), die Herausgabe der Schriften unserer Heiligen (Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Therese von Lisieux, Edith Stein), durch die Begleitung von Laiengruppen wie Teresiansiche Karmel Gemeinschaft (TKG / OCDS), durch Meditationsgruppen oder durch Exerzitien im Alltag.

Wir möchten alle Menschen, die uns begegnen, die Schönheit des Lebens mit Gott und den freundschaftlichen Umgang miteinander spüren lassen.


Es ist schön, dass wir in der Gemeinschaft so leben dürfen, wie wir sind, und uns so gegenseitig unterstützen und stärken können. Es macht Freude, Karmelit zu sein und als Mensch und Seelsorger für andere da zu sein.

 

P. Dr. Florian Zdzislaw Florek OCD, München

Kontaktadressen

 
Webmaster: eMail